Erzählt ein Lehrer seinen Schülern, dass er mit einem Funkamateur in Neuseeland gesprochen habe, dann muss er mit folgender Antwort rechnen: „Das kann ich auch, mit meinem Handy!“. Ist dies vergleichbar? Sicherlich nicht, denn Telefonieren ist eine kommerzielle Angelegenheit und somit kostenpflichtig! Und wer würde es nicht belästigend finden, wenn ihn ein unbekannter Anrufer am Telefon stören würde? Die Faszination des Amateurfunks liegt in der Möglichkeit mit - zum Teil selbstgebauten oder modifizierten - Schaltungen und Geräten Kommunikation weltweit oder auch nur einige wenige Kilometer weit zu betreiben. Die Gesprächspartner kennen sich dabei in der Regel nicht, aber sie verstehen sich, evtl. sogar ohne Fremdsprachen dank eines international gebräuchlichen Kommunikationssystems: den Amateurfunkabkürzungen. Trotzdem ist Englisch die übliche Sprache, falls man nicht seine geringen Spanischkenntnisse aus dem Urlaub oder die etwas fundierteren aus dem Volkshochschulkurs ausprobieren möchte: Funkamateure sind geduldige Menschen und freuen sich über solche Gesprächskontakte. Doch beim Amateurfunk steht die Kommunikation nicht im Vordergrund, sondern das Experimentelle, denn Amateurfunk ist experimentelle Telekommunikation! Die mögliche Palette eigener Experimente ist riesig und das bei oftmals geringem Mitteleinsatz, zumal zunehmend der PC mit seiner Soundcard und für Funkamateure i.d.R. kostenlos angebotener Software eingesetzt wird. Während der Bundeskongresse im März eines jeden Jahres werden einige preisgünstige Schaltungen und Module aufgebaut sowie Vorträge gehalten werden, um Selbstbau und Experimentierfreude im Amateurfunk zu fördern. Die entsprechenden Beschreibungen werden meist in die Praxishefte aufgenommen. Beispiele aus vorangegangenen Seminaren: • ein spezieller PSK31-Empfänger für den Datenempfang von Signalen im Rauschen • ein 136kHz-Empfänger zum Kennenlernen der Wellenausbreitung auf Langwelle • ein GPS-Modul für die neue Amateurfunkbetriebsart APRS, mit der sich Position und Wetterdaten (und weitere) weltweit verteilen lassen. • das Amateurfunkrufsystem und der Umbau von Pagern für Amateurfunkanwendungen. • Peiltechniken mit Hilfe selbstgebauter Sender und Empfänger. Die AATiS-Projekte: WxNET (Telematik), Treibbojen, Schul-Satellit und weitere bieten eine Fülle experimenteller Beteiligungsmöglichkeiten und Anregungen für Facharbeiten, Jugend forscht usw. und darüber hinaus einen guten Einstieg in den Amateurfunk. Aber Amateurfunk ist mehr: Die Fortschritte im Bereich von Lasern, insbesondere Lasermodule als kostengünstige Massenware, führen zu Bauanleitungen, mit denen sich viele Kilometer Distanz überbrücken lassen, nicht per Funk, sondern per Lichtwelle. Hier lohnt sich der Selbstbau auf jeden Fall! Dank neuester Software - Freeware - sind weltweite faszinierende Funkverbindungen auf den Bändern ab 144 MHz möglich: Der Mond dient dabei als Reflektor und die extrem schwachen EME-Signale lassen sich per Soundcard dekodieren. Ein neues, faszinierendes Betätigungsfeld im Bereich des Selbstbaus sind Experimente mit Sendern, mit denen mittels kleinster Sendeleistungen - maximal 1 W - Funkverbindungen über den Atlantik hergestellt werden sollen. Parallel dazu gibt es Entwicklungen im Bereich der Antennen: Wie kompakt kann eine Kurzwellenantenne bei einem noch ausreichenden Wirkungsgrad sein? Wie anders als durch die experimentelle Telekommunikation lassen sich moderne Massenprodukte und -anwendungen wie das Mobiltelefon, Navigation durch GPS, Flottenmanagement für Speditionen und Hilfsfahrzeuge, Satellitenfernsehen und Wettersatelliten, das Internet, digitaler Rundfunk u.a.m. analysieren und erklären? Für alle diese kommerziellen Anwendungen gibt es experimentelle Zugänge und Erklärungsmodelle mit Hilfe des Amateurfunks. Wer den Amateurfunkdienst als antiquiert bezeichnet, zeigt seine Inkompetenz! Wolfgang Lipps, DL4OAD 1.Vorsitzender AATiS e.V. |
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